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Tipps zum Umgang mit Geld und Konsum

Ob Vorschulkind, Schulkind, Teenager, Lehrling – Kinder haben Wünsche und Bedürfnisse, die je nach Alter sehr unterschiedlich sind. Die finanzielle Lage des
Elternhauses und ob Eltern alleinerziehend sind, in einer Patchwork Familie leben, beide Elternteile berufstätig sind, beeinflusst welchen Stellenwert das Thema «Umgang mit Geld» in der Familie einnimmt. Bestimmt haben Sie sich auch schon überlegt, wie Sie Ihren Sohn, Ihre Tochter an diese Thematik heranführen könnten. Hier einige Tipps und Informationen, die Ihnen dabei helfen könnten
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Lernen zu warten

Im Alter von ungefähr vier Jahren entwickeln Kinder die Eigenschaft, kurzfristig auf etwas zu verzichten, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt eine grössere Belohnung erhalten. Studien haben gezeigt, dass die Fähigkeit, eine Belohnung aufzuschieben, sich auch in Bezug auf schulische Leistungen positiv auswirkt. Grundlage für dieses Wissen ist der sogenannte Marshmallow-Test. Vor mehr als vierzig Jahren fand ein Forscher heraus, dass bereits junge Kinder fähig sind, Versuchungen zu widerstehen. Einigen gelang es, ein Marshmallow stehen zu lassen, weil man ihnen zwei Marshmallows zusicherte, wenn sie eine Zeitlang warten konnten. So banal es klingt, um auf etwas zu warten, braucht man Selbstdisziplin und Strategien, um diese Situation zu meistern. Kinder, die sich nicht jeden Wunsch erfüllen und sich beim Warten etwas abverlangen, können diese Fähigkeiten später in verschiedenen Belangen einsetzen.

Film Marshmallow-Test

Mit Wünschen umgehen lernen

Wünsche gehören zum Leben. Von klein auf äussern Kinder ihre Bedürfnisse und teilen uns ihre Wünsche mit. Wünsche treiben uns an und lassen uns hoffen. Falls unsere Wünsche gar zu ehrgeizig oder unrealistisch sind, lösen sie womöglich Enttäuschung oder Frustration aus. Wenn Kinder früh lernen, dass man nicht alles haben kann, fällt Verzichten später leichter. Auch das Wissen, dass materielle Dinge nicht automatisch glücklich machen, bildet eine wichtige Grundlage. Gemeinsame Erlebnisse mit Eltern und Geschwister wirken womöglich länger nach, als die Freude über einen neu gekauften Gegenstand. In der Familie werden Beziehungsfähigkeit geübt und Werte vermittelt, die nachhaltig wirken.

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Taschengeld

Ob ein Kind Taschengeld erhält und wie viel es bekommt, ist von Familie zu Familie verschieden. In der Schulklasse Ihres Kindes wird es Kinder geben, die kein Sackgeld erhalten, andere Kinder wiederum haben viel mehr zur Verfügung. Grundsätzlich gilt: Die Höhe des Taschengeldes richtet sich nach den finanziellen Möglichkeiten der Familie und nach dem Alter des Kindes. Entscheidend ist nicht bloss die Höhe des Taschengeldes festzulegen, sondern auch gemeinsam zu definieren, wofür das Geld verwendet wird. Wenn Auslagen je nach Situation geregelt werden und kein Taschengeld ausbezahlt wird, bedeutet das nicht unbedingt, dass weniger Geld zur Verfügung steht. Erfahrungsgemäss führt es eher dazu, dass das Kind unter dem Strich mehr bekommt als bei einer geregelten Taschengeldzahlung.

Richtlinien zum Taschengeldbetrag

Da kleinere Kinder noch nicht geübt sind, Geld über einen längeren Zeitraum einzuteilen, empfiehlt es sich das Taschengeld wöchentlich auszuhändigen. Mit zunehmendem Alter und mehr Erfahrung können die Beträge monatlich ausbezahlt werden.

Als Richtlinien empfiehlt die Budgetberatung Schweiz folgende Beträge:

  • ab sechsjährig: Fr. 1.– pro Woche
  • ab siebenjährig: Fr. 2.– pro Woche
  • ab achtjährig: Fr. 3.– pro Woche
  • ab neunjährig: Fr. 4.– pro Woche
  • zehn- und elfjährig: Fr. 25.– bis Fr. 30.– pro Monat
  • zwölf- bis vierzehnjährig Fr. 30.– bis Fr. 50.– pro Monat

Unabhängig von Empfehlungen, entscheidend ist, dass das Taschengeld ins Familienbudget passt.

Wenn das Taschengeld nicht reicht

Vielleicht gelingt es Ihrem Kind nicht immer, das Taschengeld so einzuteilen, dass es bis zum Ende der Woche oder des Monats reicht. Normalerweise wird das Taschengeld nicht für dringend Notwendiges verwendet. Zusätzliches Taschengeld auszuzahlen oder einen Teil des kommenden Monats vorzustrecken, ist daher nicht nötig. Wie bei anderen Lernfeldern gehören auch im Umgang mit Taschengeld Misserfolge dazu. Hat das Taschengeld nicht gereicht, um beispielsweise das «Lieblingsheftli» zu kaufen, überlegt sich das Kind wahrscheinlich künftig genauer, wie es sein Geld einteilt.

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Jugendlohn

Ist Ihr Kind im Teenageralter empfehlen wir den Jugendlohn einzuführen. Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach: Jugendliche erhalten früh – empfohlen wird der Beginn mit 12 Jahren – einen fixen monatlichen Betrag, von dem sie grössere Teile ihrer Lebenskosten selbstverantwortlich finanzieren. Im Jugendlohn enthalten sind alle Bereiche, für welche die Eltern dem Kind die Kompetenzen übergeben.

Jugendlohn fördert die Selbstverantwortung und die Selbständigkeit der Jugendlichen. Das Vertrauen der Eltern in die Fähigkeiten ihres Kindes ist eine notwendige Voraussetzung für die Einführung.

Der Jugendlohn beinhaltet nur Kosten, die von der Familie ohnehin getragen werden. Er soll den bisherigen Ausgaben der Eltern für das Kind sowie dem aktuellen Lebensstandard und dem Familienbudget entsprechen. Das Modell eignet sich deshalb für Familien aller Einkommensklassen.  

Weitere Informationen und Arbeitsblätter finden Sie unter www.jugendlohn.ch.

Ein Fallbeispiel einer Familie

Wenn Minderjährige Kaufverträge abschliessen

Weil Jugendlichen unter 18 Jahren, die sogenannte Handlungsfähigkeit fehlt, können sie grundsätzlich keine gültigen Verträge abschliessen. Es braucht die Zustimmung der Eltern, damit ein Vertrag rechtsgültig wird. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Wenn Jugendliche sich einen Betrag aus dem Taschengeld und oder dem Lehrlingslohn zusammengespart haben, können Verträge auch ohne elterliche Einwilligung zustande kommen. Vorausgesetzt, das Kind kann die Folgen seiner Handlung abschätzen und gilt als urteilsfähig. Ein Achtjähriger kann sich beispielsweise sehr wohl mit seinem Taschengeld Süssigkeiten oder eine Zeitschrift am Kiosk besorgen. Zum Kauf eines Computers reicht seine Urteilsfähigkeit jedoch kaum aus. Ein Sechzehnjähriger hingegen ist in der Lage abzuschätzen, was die Anschaffung eines Computers bedeutet und ob er diesen Kauf mit seinem Lehrlingslohn tätigen kann.

Hat ein Kind einen Ferienjob ausgeübt, gehört ihm das Geld, das es verdient hat. Laut dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch zählt dieses Geld zum «freien Kindsvermögen». Im Rahmen des freien Kindsvermögens können Minderjährige auch im Internet Verträge abschliessen, ausgenommen sind Abonnementsverträge.

Beobachter-Dossier: Minderjährige zum jung zum Shoppen!

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Haftung bei Schadensfällen durch Kinder und Jugendliche

Oft sind sich Eltern kaum bewusst, dass Kinder von Gesetzes wegen als urteilsfähig gelten, sobald sie die Folgen ihres Tuns erkennen können. Ist etwas passiert, wird erst einmal geklärt, ob Eltern ihre Aufsichtspflicht erfüllt haben. Falls sie diese wahrgenommen haben, müssen sie rein rechtlich gesehen nicht für einen Schaden aufkommen. Das bedeutet, dass das Kind einen vorsätzlich oder fahrlässig zugefügten Schaden, zum Beispiel wenn einem Mitschüler im Streit mutwillig etwas kaputt gemacht wurde, selber berappen muss. Weil Kinder in der Regel nicht genügend Geld besitzen, um für grössere Schäden aufzukommen, können sie auch erst belangt werden, wenn sie selber verdienen.

Unter Umständen kann die Zukunft eines jungen Menschen also durch einen leichtsinnig herbeigeführten Schadenfall nachhaltig beeinträchtigt werden. Wichtig ist, dass Sie als Eltern Ihren Sohn, Ihre Tochter auf mögliche und weitreichende Auswirkungen hinweisen. In der Realität wenden sich die Geschädigten natürlich eher an die Eltern als an die Jugendlichen selbst. Zum Beispiel, wenn beim Nachbarhaus die Fensterscheibe zu Bruch ging, obwohl dort nicht Fussball gespielt werden darf. Um das Verhältnis zu den Nachbarn nicht zu trüben, kommen Eltern meist für den Schaden auf, auch wenn Sie Ihre Aufsichtspflicht nicht vernachlässigt haben. Ein solches oder ähnliches Vorkommnis ist eine ideale Gelegenheit, die Rechtslage mit dem Kind zu besprechen.

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Lehrlingslohn und Nebenverdienst

Hat das Kind ein eigenes Einkommen, sei es weil es während den Semesterferien arbeitet oder weil es einen Lehrlingslohn erhält, dürfen Sie erwarten, dass es sich am Unterhalt beteiligt. Das wird auch im Artikel 276 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches festgehalten. Je nachdem wie hoch das Einkommen Ihres Kindes ist, bezahlt es vielleicht einen Anteil des SBB-Abos oder übernimmt die Mittagsverpflegung. Nicht nur am Anfang einer Lehre, auch beim Übertritt ins Gymnasium oder beim Beginn eines Studiums oder einer Weiterbildung sollten die persönlichen Finanzen gemeinsam angeschaut werden. Um allfällige Missverständnisse und Streitigkeiten zu verhindern, müssen gegenseitige Erwartungen geklärt sein. Bei der Budgetberatung Schweiz finden Sie Vorlagen für Lernende und Angaben zu den Budgetposten, die bei Studierenden zu beachten sind. So haben Sie eine gute Gesprächsgrundlage und können gemeinsam sicherstellen, dass nichts vergessen geht. Beim Übertritt ins Gymnasium sind auch die Arbeitsblätter zum Jugendlohn hilfreich.

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Haben Sie Fragen oder Anregungen rund um das Finanzkompetenz-Angebot von Pro Juventute, dann sind wir gerne für Sie da.

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